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Wirtschaft - 23.03.2019

Neuer Glyphosat-Schockfür Bayer

Und wieder droht Bayer Ärger mit dem neu eingekauften US-Saatgut-Riesen Monsanto.

Erst stufte das Bundesbezirksgericht in San Francisco den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Jetzt verbietet die Bezirksregierung von Los Angeles ihren Abteilungen vorläufig den Gebrauch des Mittels. Das berichtet der US-Sender NBC Los Angeles.

Grund: Kathryn Barger von der Aufsichtsbehörde in Los Angeles forderte, der Anwendungs-Stopp für Roundup solle andauern, bis das Krebsrisiko von Glyphosat eindeutig geklärt sei. Auch Miami hatte vor wenigen Wochen ein Glyphosat-Verbot für öffentliche Anlagen verhängt.

Nach der Schlappe im Prozess erhöhen die Maßnahmen den Druck auf den Pharma-Konzern. Die Bayer-Aktie war bis Mittwochvormittag um zehn Prozent auf 62,54 Euro eingebrochen. Mittlerweile liegt die Aktie bei 61,41 Euro.

▶ ︎Zum Vergleich: Vor einem Jahr kosteten die Papiere noch rund 100 Euro.

Experte rechnet mit elf Milliarden Euro Rechtskosten

Ein Ende des Abwärtstrends ist bisher nicht in Sicht. Denn der Prozess in San Francisco ist erst der zweite in einer großen Welle von etwa 11 200 glyphosatbezogenen Klagen. Am 28. März soll der nächste Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten.

▶ ︎Im August 2018 hatte der Ex-Hausmeister Dewayne Johnson in Kalifornien gegen Monsanto geklagt – und ein Urteil dazu über 69 Millionen Euro Entschädigung erwirkt. Bayer hat dagegen Berufung eingelegt.

  • EuGH-Urteil

    Glyphosat-Studien müssen öffentlich gemacht werden

    Umstrittene Studien über das Krebsrisiko des Unkrautvernichters Glyphosat müssen offen gelegt werden, urteilte das EuGH.

Im Verfahren des 70-jährigen Edwin Hardeman, der 25 Jahre lang den glyphosathaltigen Unkrautvernichter nutzte, soll erst im zweiten Schritt geklärt werden, ob Monsanto über Krebs-Risiken von Glyphosat hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte. Die Gefahr: Wird der Konzern für haftbar befunden, könnten sich möglicherweise auch weitere Gerichte daran orientieren.

Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer eine große Zahl der vielen Tausend Glyphosat-Klagen in den USA verlieren könnte, warnte Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst. Er rechnet aktuell mit rund elf Milliarden Euro an Rechtskosten für den Konzern.

Der Konzern sieht das anders: „Jedes zukünftige Verfahren ist gesondert zu betrachten auf der Basis der jeweiligen Umstände und rechtlichen Bedingungen. Wir haben großes Mitgefühl mit Herrn Hardeman und seiner Familie – dennoch stützen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse die Schlussfolgerung, dass Roundup nicht die Ursache seiner Krebserkrankung ist.“

Bayer gab sich zuletzt noch betont optimistisch: Bislang sah das Unternehmen keinen Grund, für Schadenersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Bayer stehe hinter diesen Produkten und werde sie entschieden verteidigen, heißt es in einem Statement des Unternehmens.

Allein in 2018 hatte der Pharma-Konzern für die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten rund um die Glyphosat-Klagen insgesamt 660 Millionen Euro aufgewendet. „Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück“, erklärte Finanzchef Wolfgang Nickl während einer Bilanzpressekonferenz Ende Februar.

  • Aktienkurs steigt trotzdem

    Bayer-Gewinn bricht um 75 Prozent ein!

    Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Der Gewinn brach 1,7 Milliarden Euro ein.

Monsanto-Übernahme sei „Wertevernichter“

Seit der Übernahme von Monsanto für knapp 56 Milliarden Euro geht es für Bayer bergab. Schon vor der Übernahme 2018 war die Entscheidung wegen der hohen Kosten umstritten. Nach dem ersten Glyphosat-Prozess im August 2018 war der Aktienkurs eingebrochen. Analysten und Anleger befürchteten, dass Bayer die Risiken des Monsanto-Kaufs unterschätzt hätten.

Die Bilanz Ende Februar: Im vergangenen Jahr ist der Gewinn von Bayer um rund drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro eingebrochen. Zwar legte der Umsatz durch Monsanto um rund 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro zu. Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, bezeichnet den Monsanto-Kauf schon jetzt als „den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte“.

Angesichts der jüngsten Glyphosat-Prozesswelle gegen Monsantos Roundup wird in Finanzkreisen sogar schon darüber spekuliert, ob der Bayer-Konzern letztendlich selbst zum Übernahmeziel wird.

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