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Wirtschaft - 15.05.2019

Jetzt kommt die Azubi-Revolution

Grünes Licht für Groko-Plan mit Bachelor Professional und Master Professional

Der Mindestlohn für Azubis kommt!

Heute lässt sich Bildungsministerin Anja Karliczek (48, CDU) ihre Reform des Berufsbildungsgesetzes vom Kabinett absegnen.

Der Kern: Azubis sollen ab 2020 im ersten Lehrjahr nicht weniger als 515 Euro pro Monat verdienen dürfen. In den Folgejahren soll der Satz auf bis zu 620 Euro steigen. Im zweiten und dritten Lehrjahr wird der Mindestlohn noch einmal erhöht.

Das Problem: Mehr Erzieher und Altenpfleger bekommen wir dadurch nicht. Denn landesrechtliche Berufe (wie Erzieher) können vom Bund nicht geregelt werden, Gesundheits- und Pflegeberufe (wie Altenpfleger) muss das Gesundheitsministerium regeln. Auch Zahlen, wie viele Azubis eigentlich bisher unter dem Mindestlohn liegen und diese Gesetzesnovelle deshalb benötigen würden, liegen nicht vor.

Laut der Umfrage „Azubi-Recruiting Trends 2019“ (u-form Testsysteme GmbH & Co KG) ist 68,8 Prozent der befragten Jugendlichen die Höhe der Ausbildungsvergütung „eher wichtig“ oder „extrem wichtig“.

▶︎ Ab 150 Euro mehr würden sich 42,32 Prozent der Befragten für ein alternatives Ausbildungsangebot entscheiden, ab 200 Euro mehr bereits 65,1 Prozent. Nur 15,0 Prozent stimmten der Aussage zu, dass das Ausbildungsangebot wichtiger ist als die angebotene höhere Ausbildungsvergütung.

Selbst das Deutsche Bäckerhandwerk findet die Gesetzesneuerung wenig sinnvoll. „Durch eine Mindestausbildungsvergütung sehen wir eher die grundsätzliche Gefahr, dass einige Handwerksbetriebe nicht mehr ausbilden werden, vor allem weil damit die Bürokratielast – ähnlich wie beim Mindestlohn – weiter zunehmen wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider zu BILD.

Deutscher Meister wird auch Bachelor Professional

Ministerin Karliczek will außerdem neue Fortbildungsstufen für Ausbildungsberufe einführen:

Der Bachelor Professional soll dem deutschen Meistertitel entsprechen, der Master Professional in vielen Branchen dem eines Betriebswirts.

Damit will die Ministerin vor allem im Ausland mehr Vergleichbarkeit schaffen, auch wenn es in anderen Ländern diese Bezeichnungen überhaupt nicht gibt. Lediglich die neue englische Begrifflichkeit soll den Berufstätigen im Ausland helfen, Hürden zu überwinden.

▶︎ Hochschulen und Bildungsexperten laufen aber noch gegen einen anderen Aspekt, den die neuen Begriffe mit sich bringen, Sturm. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes: „Ein Berufsbachelor wertet die berufliche Bildung nicht auf, sondern universitäre Bildung ab.“ Auch wenn die neuen Titel den Zusatz Professional tragen, seien sie doch zu ähnlich zum universitären Bachelor und Master.

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