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Politik - 30.04.2019

»Euer Kaiser zu sein, das war mein großes Glück

Akihito (85) macht Platz für seinen Sohn Naruhito (59)

Das gab es in der 2700 Jahre alten Geschichte zuletzt vor 202 Jahren. Ein japanischer Kaiser („tenno“) tritt nicht zurück. Nun ist es doch passiert!

Kaiser Akihito Tsuyu No Mija (zu Deutsch: Nachfolger der erleuchteten Güte) hat am Dienstag abgedankt und kehrt nach 30 Jahren seinem Amt den Rücken.

Nach einer Herz-OP und Prostata-Krebs wollte der 85-Jährige nicht bis zum Tode in seinem Amt ausharren.

► Um 10 Uhr deutscher Zeit begann die Zeremonie, auf die ganz Japan wartete. Und sie fiel erstaunlich kurz aus: 10 Minuten, die monatelang bis ins kleinste Detail geplant wurden!

Zuerst sprach Premierminister Shinzo Abe, dankte dem 85-Jährigen für seinen Dienst. Danach hielt Akihito selbst seine letzte Rede als Kaiser. Neben ihm: Seine Frau. In seiner Nähe: Die ganze Familie. Kronzprinz Naruhito, seine Kinder, Enkelkinder.

Er habe seine 30-jährige Herrschaft mit „tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk“ ausgeübt. „Das war mein großes Glück“, sagte Akihito laut dem US-Sender CNN. Er danke dem japanischen Volk „von Herzen“, dass es ihn als „Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt“ habe, so Akihito.

  • Japans Kaiser dankt ab

    Akihito wollte nicht auf dem Thron sterben

    Ganze zehn Feiertage gönnt sich Japan gerade. Kaum ein Japaner hat überhaupt so viel Urlaub. Der Grund? Heute dankt der 125. Kaiser ab!

Die Abdankung fand im Matsu-no-Ma, einer 370-Quadratmeter großen Halle im Kaiserpalast, statt. An der Zeremonie nahmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Vertreter von Japans Regierung und Parlament, hochrangige Richter und regionale Regierungschefs.

Die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen. Zahlreiche Japaner warteten aber vor dem Kaiserpalast, um ihren Tenno zu verabschieden.

So geht es jetzt weiter

Am 1. Mai beerbt der älteste Sohn, Kronprinz Naruhito (59) seinen Vater Akihito. Naruhito wird der 126. Kaiser des Landes, der Beginn einer neuen Ära! Sie steht unter dem Motto „Reiwa“ – Harmonie und Frieden.

Ganze zehn aufeinanderfolgende Feiertage gönnt sich Japan nun, um den Thronwechsel zu feiern.

Demut war dem Kaiser wichtig

Akihitos Regentschaft hatte den Namen Heisei („Frieden schaffen“) getragen. Als erster Monarch war er nicht mehr als Gott angetreten – sein Vater Hirohito (†87), ein brutaler Besatzer, war an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg gezogen. Nach der Kapitulation musste er 1946 in einer sogenannten „Menschlichkeitserklärung“ seiner Göttlichkeit entsagen.

Akihito suchte Kontakt zu einfachen Japanern und heiratete als erster Kaiser sogar eine Bürgerliche. Unternehmer-Tochter Michiko Shoda hatte er auf dem Tennisplatz kennengelernt.

Demut war dem Kaiser wichtig, 1990 entschuldigte er sich bei den Koreanern für die Kriegsleiden und die Kolonialisierung. 1992 tat er das Gleiche in China.

Heute wird Akihito zum Joko, dem ehemaligen Kaiser. Was wird er jetzt tun? Es heißt, er werde den Palast verlassen und auf einen Landsitz der Kaiser-Familie ziehen. Er wird Cello spielen und sich um seine Fische kümmern.

Wofür steht der neue Kaiser?

Naruhito will als neuer Tenno die strikten und erzkonservativen Regeln der ältesten Monarchie der Welt lebbar machen. Sie in Einklang bringen mit dem Alltag des Volkes.

Oberste Priorität hat dabei das Wohlbefinden seiner Ehefrau Masako (55): Sie trieb das strikt zeremonielle und stark isolierte Leben in schwere psychische Probleme – und jahrelange Therapie.

Das Paar machte sich zur Aufgabe, Trost zu spenden – etwa nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011.

Am 1. Mai wird Naruhito zum neuem Kaiser gekrönt. Frauen sind während der Zeremonie im Matsu-no-Ma-Palast nicht zugelassen.

Japans neue Ära beginnt eben gerade erst …

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